Die moderne gerontologische Forschung (oder Altersforschung) … - AAI Generationen und Alter

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Die moderne gerontologische Forschung (oder Altersforschung) …

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… stellt weniger das Alter an sich als den Prozess des Alterns ins Zentrum. Beim Altern handelt es sich um einen dynamischen Prozess (und nicht um einen Zustand). Im Rahmen dieses dynamischen Prozesses des Alterns entstehen immer wieder neue Herausforderungen, sowie ein fortwährendes Wechselspiel zwischen Verlusten und Gewinnen wie auch ein dynamisches Verhältnis der Einflüsse sozialer, psychischer, körperlich-biologischer Faktoren auf Alternsverläufe. Zentral für die moderne Gerontologie ist die grundlegende Annahme (aber auch empirisch bestätigte Beobachtung), dass diese Dynamik nicht einseitig nur in Richtung von Verlusten weist, sondern dass es auch im höheren und hohen Lebensalter zu Gewinnen kommen kann. Altersprozesse sind immer auch - wenn sicherlich nicht ausschliessend - mit körperlich-kognitiven Veränderungen verbunden, wobei mit steigendem Alter körperlich-funktionale Einschränkungen und hirnorganische Erkrankungen häufiger werden. Gleichzeitig kann es zu spürbaren Diskrepanzen zwischen körperlicher Alterung und selbstdefiniertem psychischem Altersgefühl kommen.
 
Da Altern ein biografisch-lebensgeschichtlich verankerter Prozess ist, sind bei der Arbeit für alte Menschen und mit alten Menschen immer auch ihre lebensgeschichtlichen Prägungen - die generationen- und geschlechterspezifisch variieren - zu berücksichtigen. Ohne Verständnis der Lebensgeschichte ist jede Soziale Arbeit mit alten Menschen sinnlos. Alte Menschen haben nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine zu gestaltende Gegenwart und Zukunft, auch wenn sich im hohen Alter der Zeithorizont verkürzt. Frauen und Männer altern anders, und soziale Unterschiede - von Bildungsniveau, Rentenhöhe, Migrationserfahrung usw. - spielen eine grosse Rolle. Soziale Angebote für ältere und alte Menschen sind deshalb zielgruppenspezifisch auszurichten.
 
Allein schon die Chancen, alt zu werden, sind sozial ungleich verteilt. Vor allem wirtschaftlich abgesicherte und sozial integrierte Menschen können von einer langen gesunden Lebenserwartung profitieren. Je stärker körperliche Einschränkungen auftreten, desto wichtiger wird eine hindernisfreie und soziale integrierende Umwelt, die körperlich bedingte Einschränkungen zu kompensieren vermag - und Soziale Arbeit zugunsten körperlich fragiler oder pflegebedürftiger alter Menschen ist oft verhältnisbezogen. Gute Nachbarschaft und soziale Unterstützungsnetzwerke können der Einsamkeit im Alter entgegenwirken. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass speziell im hohen Alter die Gestaltbarkeit namentlich körperlicher Prozesse auf Grenzen stösst (und Hoffnungen auf eine ewige Jugend erweisen sich als Illusion). Eine optimale geriatrische oder Soziale Arbeit für sehr alte Menschen und mit sehr alten Menschen anerkennt deshalb auch die Grenzen des Handelns (und des Lebens). Menschen haben auch im Alter vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und es bestehen vielfältige Strategien zur Nutzung und Stärkung vorhandener Reservekapazitäten. Dies wird durch entsprechende Interventionsstudien immer wieder nachgewiesen.
 
 (vgl. François Höpflinger - „Konzeptuelle Grundsätze und essentielle Elemente modernen Alternsforschung“)
... weiterführende Informationen zu konzeptionelle Grundsätze > hier
 
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